13
Apr
2005

peinlich berührt

Muster
peinlich berührt, so als hätte ich durch die dünnen Netzgardinen beim Vorbeigehen den Leuten in's Fenster geschaut und Szenen zwischen fremden Menschen mitbekommen, die sich keiner Blicke von außen bewusst sind. Der Auslöser? Mein täglicher Blick auf irgendein Blog mit einem aktuellen Beitrag bei twoday: "gesammelter Hirnmüll"
Von Schmerzen in den rechten oberen Brusthälfte über's Kuscheln und Lust auf Sex mit ihm (ob der das liest?), der als "du" adressiert wird, vom Papst und den Katholiken, die sich eigentlich freuen sollen, wenn jemand stirbt, dem Tod der Großmutter an Darmkrebs und den Troubles mit der Wohnung.
In atemlosem Staunen vor diesem Themenmix.
Frage mich, wer ist der Adressat? Wozu die Veröffentlichung? Und komme mir schon beim Tippen dieser Fragen, die ich ja auch gezwungenermaßen wenn auch widerwillig bloggend öffentlich zugänglich mache, schäbig vor. Was ist mein Beitrag? Ja, wozu? Für wen? Für irgendeine Community, die hier gefälligst unterhaltsame Artikel lesen will und sich doch sicher keine Analysen gefallen lassen will? Eine community, die es als community nicht gibt, vermutlich. Wie bildet sich dann eine community? Wie fangen die Leute an, bei anderen Blogs Kommentare zu hinterlassen?
Bin erleichtert, dass ich noch keinen einzigen Kommentar habe. Hoffentlich kommt voräufig niemand auf den Gedanken ... Nix für ungut.
Das Drauflostippen die vorigen Tage war unterhaltsamer für mich. Das hier schaut nach einem Brocken aus, der sich nicht so leicht bewegen lässt.
Niemand, der hier die Regeln aufstellt. (Oh doch, ich könnte ja wieder in der "Geschäftsordnung" nachlesen)
Mag heute keinen weiteren Blick auf ein Blog werfen. Das war schon heavy stuff für mich, über Tod und "Wiedergeburt" und die Liebe und's Theatergehen zu lesen (und das nicht einmal im Detail aus Verlegenheit und dann noch das Bilderalbum des eigenen kreativen Treibens. Schön gestaltet, wirklich - und irgendwie mutig.
obwohl, verliert das wort in diesem anonymen raum nicht irgendwie seinen bedeutung? allerdings so ganz anonym kann's ja auch nicht sein, wenn im Seminar diese bloggende Frau erwähnt wurde die nach ... kommt für das Literaturfestival und von der ... schon einiges zu wissen schien. will man die leute, die einem kommentare hinterlassen, dann tatsächlich auch kennenlernen? ach, was heißt schon man.
keine lust mehr, stirn zerfurcht, nix mit lustig heute.

11
Apr
2005

Pflichtschuldiges Bloggen und offene Kühlschranktür

raindrops
Das gibt’s doch nicht, einfach weg mein Beitrag, wozu springen, wenn’s dann gleich mal blog … blog…blog macht. Grrr!
Also verzichte ich auf die lange Einleitung zu den Vermeidungsstrategien (Schularbeit zumindest zu einem Drittel zusammenstellen, Tee richten, Kekse auf später verschieben, so gegen Mitternacht wohl als Belohnung für’s Bloggen).
Meine nächtliche Hausübung: schauen, wie Blogger ihr Bloggen begründen beim erstbesten Blog, das gerade eine neue Veröffentlichung enthält.
Aha, das ist Seppi’s Weblog mit dem Kühlschrank-Check:
Ich zitiere: Montag, 11. April 2005
Kühlschrank - Watch
Schönen guten Abend und so, ab jetzt gibts regelmäßig einen Blick in unseren Kühlschrank. Zu sehen in der Leiste links.
Falls ihr euch jetzt fragt: "Warum um Gottes Willen??! Bitte wen interessiert sowas nur??!!" - Hier meine (lang überlegten)Erklärungsversuche:

1) In spätestens 2 Sekunden habt ihr trotzdem draufgeklickt.
2) Keine Ahnung mehr
3) Hilfe, will weg!
(besichtigt, ohne Öffnen der Kühlschranktür, am 11.4.2005)
Seppi nimmt also die potentiellen Fragen seiner „Leserschaft“ vorweg, die eher Anklagen gleichen – durch die vielen Frage- und Rufezeichen und die Wiederholung der Frage in anderer Form ausgedrückt, d.h. er nimmt an, dass eine Begründung für die Wahl so eines Blog-Themas nötig ist.

Er begründet seine Entscheidung auch und zwar folgendermaßen:

1. indem er das Publikum wieder auf sich selbst verweist und auf das Fehlen vernünftiger Gründe, sprich wohlüberlegter Reaktionen zugunsten des schnellen Klicks/Kicks bei diesem Publikum (bei Virillo nachzuschlagen dauert mehr als 3 Sekunden, also verzichte ich darauf).
2. gar nicht, indem er Erinnerungsschwierigkeiten ins Feld führt, ja Erinnerungsschwierigkeiten, die so gravierendl sind, dass sie auf keine Besserung und damit ein eventuelles Nachliefern eines ursprünglichen Zusammenhangs Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs hoffen lassen.
3. Mit einer elementaren Fluchtreaktion entzieht er sich jeglichem Begründungszusammenhang nun vollständig. (ES zieht ihn offensichtlich weg)
Ja, und mich zieht es auch fort, zu den Schokokeksen - einem oder zwei sagt das ICH, das sich um Versöhnung zwischen ÜBER-ICH und ES bemüht).

P.S.: Wie das Bild mit dem heutigen Thema zusammenhängt (Welches Thema? - Ja, also Irgendwie-Thema, halt)?
Na, nach ausführlicher Seppis Argumentation will ich mir nicht durch eigene argumentative Verrenkungen einen geistigen Muskelkater holen. Da schon lieber ein Schokokeks…

10
Apr
2005

vermeidungsstrategien

rusty handle
dabei hatte ich gestern noch bloggend zarte ansätze von enthusiasmus verspürt...
und heute folgen die vermeidungsstrategien.
na, immerhin ist das resultat eine korrigierte englischschularbeit - viel rot, meine schüler werden's mir danken, aber dafür auch viele - noch - durch.
ja, dann musste ich mich natürlich nachmittags kurz zwecks luftschnappen nach der korrekturanstrengung zum sonntagsspaziergang unter die kinderwagenschiebenden väter, die einsam auf parkbänken lesenden vieleicht-doch-nicht-studenten begeben. ob die alte frau mit dem stock und dem gebeugten rücken immer das schwarze plastiksackerl über die hand gestülpt hat, um sich die mauer entlang am fluss weiterzuschieben, weiterzubewegen? das plakat von giacometti zu seiner fotoausstellung zeigt auch alte frauen, schwarz verhüllt, schön, würdig, aus dem süden. die ausstellung selbst zeigt am eingang die ausgesetzten nackten und halbnackten leiber und ausgemergelten gesichter alter frauen, die es sich nicht mehr leisten können, nach der eigenen würde zu fragen.
vermeidungsstrategien zwischen sublimierung und käsebrot:
e-mails rasch noch beantworten, selbst welche dringend schreiben - doch das meiste im zusammenhang mit dem beruf (mein privater ablasshandel mit mir, mit dem ich mir einen platz, nein, jetzt keine, bitteschön keine glaubensfragen anschneiden, noch dazu, weil das schon die korrektur der erstversion ist,...)
im kühlschrank nachschauen - und das nach dem fasten - käse soll auch serotonin produzieren, habe ich mir nach dem verzehr des heute eigentlich noch nicht erlaubten käsebrots (aber immerhin mit vollkornbrot, heute auch noch nicht erlaubt, laut fastenbroschüre, aber den heute vielleicht auch noch verbotenen topfenaufstrich hatte ich schon)
schönheitspflege muss zwischendurch auch sein, ich will schließlich heute noch ins fitnesstudio und in die sauna
freundin anrufen
endlich mich zum arbeiten an den computer setzen.
wollte mich heute ernsthaft mit der frage beschäftigen, was leute am bloggen so attraktiv finden ... sehe meinen terminkalender mit dem rot eingetragenen termin nächsten, ja diesen freitag vor mir, wo ich schon beiträge geliefert haben sollte ... einen anlauf mache ich...verabschiede mich kurz zu anderen bloggern, habe die eine von gestern im kopf, die mich sehr ermuntert hat doch noch gegen meinen willen bloggerend aktiv zu werden ..
tatsächlich, das folgende hat sie (woher weiß ich, dass es eine sie ist, nur weil sie es von sich behauptet, doch sie klingt nach sie) geschrieben: WOZU BLOGGEN?

„Lust-Bloggen
Jemand, der kein Weblog hat, denkt sich, Bloggen ist blöd.

Man hat ja sonst nicht gerade wenig um die Ohren, deshalb: bloggen = Zeitverschwendung. Dachte ich auch. Ich dachte, ich könnte mir die Zeit, hier zu sein, nicht von meinem Leben abzwicken. Gedanken-Vergeudung.

Jetzt erlebe ich das Gegenteil. Bloggen beflügelt. Mein Art zu denken. Meine Art zu sein. Meine Art zu arbeiten. Dieses zensurlose Dahinschreiben, das zu "Papier" bringen von scheinbar Belanglosem, vor allem aber die Möglichkeit, hier Menschen zu finden, die mich dazu bringen vor dem PC lauthals aufzulachen und mir damit den Tag zu versonnen

(visited: 9.4.2005)
ziemlich aufmunternde worte in einem angenehm selbstironischen, poetischen blog, wo's am 9. April um die liebe ging, wie ich gerade sehe.
Ich bin seltsam fröhlich, weil ich weiß:
Nichts was geht, ist verloren.

damit gehe ich grußlos.

9
Apr
2005

To begin with...

hellgrüner transparent stacheliger Kakus
Nur nicht nachdenken, sonst wird's schwierig...

Nur nicht nachdenken darüber ...
  1. wer mein Blog lesen könnte (Hallo Herr Professor ;-), hallo liebe KollegInnen, zu denen ich irgendwie virtuellen Kontakt verloren habe, bevor er je real zustande kam)
  2. wie geistreich das Ganze klingen soll
  3. ob ich gar nur klein schreiben sollte, mhm, fühlt sich auch ganz gut an die kleinschreibung - sorry für den psychotalk herr prof. u.a.<
  4. ob's wohl der arbeitsaufgabe entspricht (tut es nicht, so meine dumpfe ahnung, die ich mir vorerst einmal nicht bestätigen lasse. wer viel fragt, geht viel irr, habe ich kürzlich wieder gehört.
  5. dass ich ja eigentlich jetzt die gesammelten artikel zum thema hier allmählich abarbeiten sollte ... nein, das war wohl ein missverständnis. eher sollte ich das ganze hier laufend analysieren, kommentieren, sozusagen öffentlich verdauen noch bevor ich mir's so richtig schmecken habe lassen
  6. für wen ich hier eigentlich wirklich schreibe und wozu (für mich natürlich) ...
  7. dass ich gewaltig im rückstand bin, wenn ich so anfang, wie ich gerade anfange
Aber andererseits ...
    1. hilft alles nichts, ich muss wohl diesen blogsprung vom 10-Meter-Brett machen ... blogblogblog...
    2. und ich muss meinem absoluten widerwillen gegen das überschreiten und gegen das verschwimmen der grenze zwischen öffentlich, halböffentlich und privat selbst mit gemächlichen zügen davonschwimmen, mich sozusagen selbst überholen
    3. machen sich auch schon lustvolle züge bemerkbar, wenn ich mich auch noch nicht im stadium des freien assoziierens befinde ...
    4. ist tippen ja geradezu ein hobby von mir. klavierspielen klänge besser, ich weiß, ich tippe einfach gerne, die mechanik des tippens, das tippen als tippen nicht als schreiben eines inhalts als mittel zum zweck sondern als zweck an sich. ich bin in der falschen zeit geboren. noch vor fünfzig jahren hätten ich darauf eine erfolgreiche karriere als stenotypistin aufbauen können.
'Begin at the beginning...and go on till you come to the end: then stop.'(Chapter 12, pg. 81,Alice in Wonderland)
I'll stop for today anyway.
Hah, ich freue mich schon auf meinen morgigen beitrag ... tipptipptipp...

PS: Wie macht man diese blöden Punkte, das Ganze ist zur Aufzählung geworden. Traue mich jetzt nicht das umzuändern, sonst geht womöglich alles verloren ... aha, verlustängste ...
trotzdem freue ich mich aufs tippen morgen,auf die gefahr, mich zu wiederholen. redundanzen sind immer gut für die leser.
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